Arbeitsgemeinschaft der
Süddeutschen Mesnerverbände

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Festrede

des ARGE-Vorsitzenden Klaus Probst
beim Festakt
„50 Jahre Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Mesnerverbände“
am 16. Oktober 2013 in Regensburg

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Netzwerke pflegen!

 

Hochwürdigster Herr Bischof,
sehr geehrte hochwürdige Herren Präsides und Geistlichen Gäste,
lieber ADS-Vorsitzender Martin Salzmann,
liebe internationale Gäste aus den ADS-Mitgliedsverbänden,
liebe Vorstandsmitglieder der süddeutschen Mesner-Arbeitsgemeinschaft,
liebe ehemalige und aktuelle Vorsitzende, Delegierte, Gäste und Ehepartner der ARGE-Mitgliedsverbände,
liebe Vertreter des gastgebenden Verbandes Regensburg mit ihrem Vorsitzenden Josef Dommer,
sehr geehrte Damen und Herren der Presse, hier namentlich und stellvertretend für alle die Redakteurin des Katholischen Mesners, Frau Gerlinde Knoller,
lieber Festredner Prof. Dr. Hubert Windisch,
liebe Gäste und Freunde der ARGE!

Ja, die Anrede ist lang geworden! Das freut mich und erfüllt mich fast ein wenig mit Stolz, denn es zeigt, dass Ihr zahlreich unserer Einladung zum Festakt gefolgt seid. Ein herzliches Vergelt’s Gott dafür!

Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn Sie in einer Kirche ein Spinnennetz entdecken, was ist Ihre erste Reaktion? Die Geistlichen werden sich vielleicht denken: hoffentlich wird es sehr schnell entfernt, dass es weiteren Kirchenbesuchern nicht auffällt, und die Hoffnung der Geistlichen würde wohl selten enttäuscht werden, denn die Mesnerinnen und Mesner werden dieses störende Gebilde mit geschultem Auge rasch erkennen und fast reflexartig beiseite schaffen.
Wer sich allerdings an so einem Spinnennetz nicht sofort stört, sondern sich die Zeit nimmt, es näher zu betrachten, dem wird auffallen, dass es sich hierbei um ein kleines Kunstwerk handelt und es würde für die Spinne fast etwas Bewunderung aufkommen, wenn wir mit diesen Tieren nicht einen schon fast angeborenen Ekel verbinden würden, der einen automatischen Jagdeifer auslöst!
Das Spinnennetz, je ausgeprägter und verzweigter, desto schöner und für die Spinne nützlicher und wertvoller!

Ich möchte nicht mutmaßen, dass die Gründungsväter der ARGE vor über 50 Jahren ein Spinnennetz meditiert haben, um auf den Gedanken zu kommen, unsere Arbeitsgemeinschaft zu gründen. Aber sie haben erkannt, dass Vernetzung wichtig ist und dass es nicht genügt, Mesnerverbandsarbeit nur in den jeweiligen Diözesen zu machen. Um optimale Arbeit in den Verbänden für die Mesnerinnen und Mesner leisten zu können, sind stärker ausgeprägte, weiterreichende Netzwerke zwar nicht zwingend notwendig, aber doch sehr hilfreich und vorteilhaft. Es wurde erkannt, dass es gut ist, über den Tellerrand hinaus zu schauen, Kräfte zu bündeln, manche Anliegen gemeinsam anzugehen oder sich untereinander einfach nur auszutauschen und so weitere Erfahrungen für die Arbeit im Heimatverband zu sammeln, um dessen Arbeit optimieren zu können.
So haben wir in 50 Jahren in unserer Arbeitsgemeinschaft viel erreicht:
Wir haben im süddeutschen Raum den Katholischen Mesner zu einem niveauvollen und viel beachteten Standesorgan für alle unsere Mitgliedsverbände etabliert. 
Wir haben eine überdiözesane Mesnerschule geschaffen und ausgebaut, die hoch geachtet ist und die wertvollste Stütze der Wissensvermittlung für unsere hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen ist.
Wir haben zu Sternwallfahrten eingeladen, die zu einem beeindruckenden Glaubenszeugnis wurden und in den letzten Jahren mehr als 500 Teilnehmer pro Wallfahrt zählten.
Wir haben erreicht, dass es für Mesnerinnen und Mesner bayernweit ein flächendeckendes kirchliches Arbeitsvertragsrecht gibt, bei dessen Fortschreibung die Arbeitsgemeinschaft ein Anhörungsrecht besitzt.
Wir treffen uns jedes Jahr einmal zu einem intensiven, dreitätigen Gedankenaustausch, der überaus fruchtbar und gewinnbringend ist und dies auf eine so kameradschaftliche Weise, dass wir fast schon so etwas wie eine Großfamilie sind, die auch Freud und Leid miteinander teilen. Hier darf auch an dieser Stelle Erwähnung finden, dass wir erst im Februar miteinander den plötzlichen Tod unseres Präses Domkapitular Prälat Josef Heigl miteinander betrauert haben.
Wir haben uns auch in ein weiteres Netzwerk eingeklinkt und haben dort einen festen, anerkannten Platz, in der ADS, der Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Sakristane, von der der Vorsitzende und Vertreter der weiteren Mitgliedsverbände heute ebenfalls unter uns sind.

Man kann also die Gründerväter der ARGE mit gutem Recht als Visionäre bezeichnen, die den Gedanken der Vernetzung damals schon für wichtig hielten und vorantrieben. Die Gegenwart und wohl auch die Zukunft zeigen uns, dass sie Recht hatten. Eine Welt ohne Vernetzung ist heutzutage nicht mehr vorstellbar. Regierungen geben immer mehr Geld aus für den Ausbau des Straßennetzes. Was wäre die Welt ohne Strom- und Telefonnetze, ohne die Vernetzung über das Internet und dessen soziale Netzwerke, wie sie genannt werden!
So dürfen auch wir sagen, dass diese Vernetzungsidee der Mesnerverbände untereinander, die vor 50 Jahren am 20. November 1963 in Augsburg mit der Gründung der ARGE umgesetzt wurde, ein Segen für die Mesnerverbandsarbeit war. So können wir Richard Binder, Willi Reichart und seinen Weggefährten dankbar sein und auch jenen, die diese Institution weiter getragen haben bis zu denen, die in der heutigen Zeit Verantwortung haben und diesem Netz Stabilität verleihen. Hier könnte ich sehr viele nennen und eigentlich dürfen sich alle hier Anwesenden in irgendeiner Weise angesprochen fühlen, auch die Ehepartner. Stellvertretend für alle, die die ARGE in den letzten fünf Jahrzehnten mitgetragen und stets unterstützt haben, möchte ich einen, der fast die ganze Zeit bis heute und damit am längsten mit dabei war, namentlich nennen: Hermann Friedmann aus der Erzdiözese Freiburg.
Und ich bin dankbar, dass alle auf ihre Weise zur Stabilität dieses Netzes „Süddeutsche Mesner-Arbeitsgemeinschaft“ beigetragen haben und noch beitragen – und sei der Faden noch so klein, um im Bild des Spinnennetzes zu bleiben.

Sehr geehrte Damen und Herren!   
In einer kleinen Anekdote wird folgendes erzählt:
Ein Pfarrer lief öfters an einem Garten vorbei, in dem er jedes Mal den Besitzer beobachtete, wie dieser ganz eifrig mit Unkraut-Jäten, Hecke schneiden oder Rasen mähen beschäftigt war. Der Pfarrer fand stets Gefallen daran und einmal drängte es ihn, dem Gärtner ein Kompliment zu machen. Schließlich sagte er: „da haben der liebe Gott und Sie aber einen wunderschönen Garten angelegt!“
Der Besitzer antwortete: „Ja, da haben Sie recht, Herr Pfarrer, aber Sie hätten den Garten mal sehen sollen, als noch der liebe Gott allein dafür verantwortlich war!“

Warum zitiere ich diese Geschichte?
Auf humorige Weise wird in der Erzählung darauf hingewiesen, dass der liebe Gott nicht alles allein machen kann, dass er Grundlagen schafft, auf denen seine Handlanger, wir Menschen, weiterarbeiten sollen. Dieser Auftrag ist schon im Buch Genesis zu lesen. Und je mehr Menschen an Gottes Auftrag arbeiten, desto größer wird das Netzwerk Gottes, desto einfacher wird es für jeden einzelnen Menschen, sich an diesem Werk zu beteiligen.
Dass dies nicht immer einfach ist, wissen wir alle und ich denke, dass diese Thematik nachher im Festvortrag nochmals anklingen wird.

Übertragen auf die ARGE könnte das heißen:
Wir dürfen nie übersehen, uns nicht nur untereinander, sondern auch mit Gott zu vernetzen.
Und wir müssen dabei als Christen und in unserer Verbandsarbeit eine Balance finden zwischen dem Vertrauen auf Gottes Handeln und dem, was wir dazu beizutragen haben. Bei allem Engagement und Eifer dürfen wir nicht vergessen, dass unser Tun für die Mesnerverbände ein christlich geprägter Dienst sein soll – sowohl im Umgang miteinander als auch bei den Zielen, die wir im Blick haben.
Gott sei dank gibt es in der ARGE immer wieder solche Rückbindungen zu Gott, bei Wallfahrten, bei Exerzitien, bei geistlichen Impulsen während unserer Sitzungen. Und so bin ich froh, dass die ARGE seit gestern mit dem Würzburger Präses Pfarrer Ernst Haas auch wieder einen Präses hat, der uns helfen wird, dieses Netzwerk zu Gott weiter aufzubauen.
Denn nur im guten Zusammenspiel von Gott und seinen Werkzeugen kann Gutes und Schönes gelingen.

So wünsche ich uns und der süddeutschen Mesner-Arbeitsgemeinschaft auch für die nächsten mindestens 50 Jahre immer wieder ein gutes, tragfähiges Netzwerk, das stets bemüht ist, auch Gott in dieses Netz mit einzuflechten.

Vielleicht kann so ein ungewünschtes Spinnennetz in Haus oder Kirche wenigstens dazu gut sein, uns gelegentlich daran zu erinnern, nicht nachzulassen, unsere guten Netzwerke zu pflegen und zu stärken!

In diesem Sinne alles Gute für die Zukunft und Gottes reichen Segen!

 

 

Klaus Probst,
Vorsitzender der Arbeitgemeinschaft der süddeutschen Mesnerverbände
Vorsitzender des Mesnerverbandes der Diözese Augsburg
Basilikamesner in Dillingen/Donau
Kapellenweg 22
89438 Holzheim-Eppisburg
09075/6035
klaus.a.probst@gmx.de

Vorsitzender: Klaus Probst, Kapellenweg 22, 89438 Holzheim-Eppisburg