Arbeitsgemeinschaft der
Süddeutschen Mesnerverbände

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55. Grundkurs der Überdiözesanen Mesnerschule in Freising

Eine Zeit der Antworten auf unzählige, bisher ungeklärte Fragen um das Thema „Der Sakristan – ein Allrounder“

Was hat ein Mesner schon zu tun? Die irrige weit verbreitete Annahme das Aufgabengebiet beschränkt sich nur auf das Herrichten der Hl. Messe, das Ankleiden des Pfarrers, das Anzünden der Altarkerzen und vielleicht noch das Aufschlagen der Bücher – aber sonst?
Nach Erhalt der Einladung mit einem gestrafften Stundenplan für die bevorstehenden drei Wochen wurde diese These sehr schnell revidiert.
Viel Wissenswertes konnten die 3 Teilnehmerinnen und 26 Teilnehmer des 55. Grundkurses der Überdiözesanen Mesnerschule – heuer zum ersten Mal – im Pallotti Haus in Freising erfahren.
Vom 06. bis zum 24. Februar 2017 fanden sich somit insgesamt 29 Geladene aus den Erz/Diözesen Augsburg, Bamberg, München und Freising, Passau, Regensburg, Rottenburg-Stuttgart sowie Berlin ein.
Die Organisation sowie die Leitung der Schulung übernahm – wie auch in den vergangenen 10 Jahren – unser Profi Martin Thullner.
Großteil der mit dem Flugzeug, der Bahn oder mit dem Fahrzeug Angereisten, waren Berufsneulinge; meist erst einige Monate oder bis zu einem Jahr in Amt und Würden. Die sehr bunt gemischte Gemeinschaft war daher gespannt auf die neue Herausforderung in der übernommenen Tätigkeit.
Zusammen mit Martin Thullner vermittelten einige hochkarätige und seit vielen Jahren in den jeweiligen Schulungseinheiten tätigen Dozenten das umfangreiche Berufsbild eines Mesners. Dabei hat diese Bezeichnung nichts mit der „Messe“ zu tun – vielmehr stammt das Wort aus dem Lateinischen: Masionarius
Übersetzt: Versorger des Hauses.
Daher übt die Mehrheit der Kursteilnehmer ihr Amt in Verbindung mit dem des Hausmeisters in und um die Kirche sowie der Pfarrheime, -höfe, -gärten, Friedhöfe etc. aus. Den ersten Schulungsblock übernahmen somit die Herrn Michael Lorenzet der LIGA-Gassenhuber Versicherungsagentur und Herr Klaus Leuthner der Versicherungskammer Bayern zum Thema „Verkehrssicherungspflicht“. Beinhaltet das konsequente Beachten der Zeiten des Räum- und Streudienstes im Winter. Auch gehört zum Aufgabengebiet, dass Gefahrenquellen erkannt und diese möglichst sofort behoben werden. Andernfalls ist es verpflichtend diese zu melden und für Behebung der Mängel zu sorgen.
Vorrangig soll aber die geistliche Begleitung des Kurses, Herr Dr. Otto Mittermeier, genannt sein.
In der Pallotti Kirche wurden wir bei einem von Herrn Dr. Mittermeier zelebrierten Gottesdienst auf die vor uns liegende Zeit eingestimmt.
Viel liturgisches Wissen und die Sakramenten Spendung – die bevorstehende Osterzeit im Fokus - vermittelte in fünf Unterrichtseinheiten der Liturgiebeauftragte der Erzdiözese München und Freising.
Für Bibelneulinge waren die Einführungsstunden zur Bibel anfangs anstrengend, aber dann doch sehr interessant. Herr Friedrich Bernack, stellvertretender Direktor des Kardinal-Döpfner-Hauses gestaltete die fünfzehn Bibelstunden sehr bildlich, mitreißend und Interesse weckend. Ferner erhielten wir eine Erklärung hinsichtlich der derzeitigen Ausstellung am Domberg zur Geschichte des Kardinal-Döpfner-Hauses.
Die ausgezeichneten Architektenentwürfe zur Neugestaltung des Kardinal-Döpfner-Hauses waren auch zu bestaunen.
Auch die wertschätzenden Umgangsformen mit weiteren kirchlichen Mitarbeitern und Handwerkern, im Besonderen mit den Kirchenbesuchern, den Ministranten – generell den Kontakt zu Mitmenschen – legte uns Herr Pfarrer A. Ebersberger vom Pfarrverband Bogenhausen-Süd in München sehr nahe. Tagesbeginn in der Kirche: „Herr, lass mich meinen Mitmenschen gegenüber freundlich, hilfsbereit und sachlich gegenübertreten, auch wenn es mir schwerfällt“
Die Lektorenschulung war aus dieser Einheit nicht wegzudenken. Am Ambo zu stehen und den Bibeltext sinngemäß und mitreißend vorzutragen, ist für den ein oder anderen nicht immer leicht. Unsere Referentin Frau Ursula Binsack, legte sehr großen Wert auf die Betonung und eine klaren Aussprache. Gemäß einer Zeichnung wurden die entsprechenden Schriftlesungen in Gruppenarbeit versinnbildlicht gedeutet.
In der Sakristei wurde der Kurs mit praktischen Unterrichtseinheiten – durch Schulleiter Martin Thullner – abgerundet. Vieles konnte er uns aus seiner mittlerweile 36-jährigen Mesner-Berufserfahrung mit auf den Weg geben.
Wie organisiere ich effektiv und professionell meinen Arbeitsplatz – die Sakristei?
Wie werde ich den Wünschen und Vorstellungen meines kirchlichen Vorstehers gerecht?
Wie wecke ich Interesse für Neuerungen bzw. setze notwendige Anschaffungen bei den entsprechenden kirchlichen Gremien gezielt durch?
Das Praktische kam auch in der Fachschule für Blumenkunst im Bildungszentrum von Weihenstephan nicht zu kurz.
Von Herrn Neidinger war Interessantes über die hohe Kunst des kirchlichen Blumenschmucks zu erfahren.
Jeder der Teilnehmer durfte nach einer ausgiebigen Einweisung selbst Hand anlegen und ein Gesteck nach eigenen Vorstellungen in symmetrischer oder asymmetrischer Form gestalten. Anhand Fotos bzw. eines Kirchenführers der einzelnen Altarräume erhielten wir von Herrn Neidinger fachkundige Dekorationstipps.
Unsere Gotteshäuser – Orte zum Wohlfühlen.
Auf zur Pflege von Gartenanlagen mit der Landschaftsarchitektin Frau Helga Briemle. Bewaffnet mit den unterschiedlichsten Gartengeräten wie
z. B. Rosenschere ging es ans Schneiden von Kletterrosen, Beetrosen sowie sonstigen Büschen und Gehölzen.

Noch einige weitere Vorträge folgten; Langeweile war nicht angesagt.

Zu den Themen: Betreuung von Turmuhren und Läuteanlagen referierte Herr Gerd Nolle der Philipp Hörz GmbH

Fachgemäße Behandlung und Verwendung von Kerzen hierzu sprach Herr Albertshauser Obermeister der Bayerischen Wachszieher-Innung

Arbeitsrecht hierzu nahm Herr Klaus Probst KODA-Mitglied und Vorsitzender der ARGE zu Fragen der Anwesenden Stellung

Lautsprecheranlagen stellte Herr Martin Sieber der ave Audio Vertriebs-Entwicklungsgesellschaft mbH anhand von Tonaufnahmen vor

Umweltschutz in den Pfarreien Herr Matthias Kiefer Umweltbeauftragter der Erzdiözese München und Freising gab hier Energiesparbeispiele bezüglich einer sinnvollen und umweltfreundlichen Nutzung von Strom, Heizung etc.

Erhaltung und Pflege der kirchlichen Bauten Herr Dipl. Ing. Martin Fesl im Auftrag des Baureferat der Erzdiözese München und Freising

Erhaltung und Betreuung der Kirchenglocken Herr Gerald Fischer

Glockensachverständiger der Erzdiözese München/Freising und

begeisterter Kirchenmusikdirektor konnte viel Wissenswertes zu diesem Thema berichten. Leider konnte in diesem Jahr die

„Korbiniansglocke“ im Freisinger Dom nicht besichtigen.

Unfallschutz und -verhütung Frau Wicht der VBG – Berufsgenossenschaft sensibilisierte auf das Erkennen von Unfallgefahren

Haftung und Versicherung

Ein Tagesausflug führte uns nach Neumarkt St. Veit dem Kunstlager der Erzdiözese München und Freising; hier befinden sich ausgelagerte Kunstgegenstände zur vorübergehenden Aufbewahrung. Bei einer Führung von Herrn Dr. Hans Rohrmann durch die einzelnen Räume konnten die Kunstschätze bewundert werden.
Wie pflege ich „Vasa sacra“ die „heiligen Gefäße“ zu denen Kelche, Hostienschalen, Patenen, Ziborien u.s.w. zählen?
Wie gehe ich achtsam mit wertvollen Paramenten um?
Wie bewahre ich diese behutsam auf?
Wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur im Aufbewahrungsort – oftmals die Sakristei?
Ausgiebige Antworten hierauf erhielten wir von Herrn Rudolph, Metall Restaurator,Frau von Waldburg Textilrestauratorin und Frau Bauer-Empl Restauratorin der Diözese, in den jeweiligen Vortragsreihen; auch wurden gestellte Einzelfragen behandelt.

Kein Faschingsscherz war die Prüfung am „Unsinnigen Donnerstag“; wobei diese in entspannter Atmosphäre abgenommen wurde.
Aber trotzdem war Jeder froh, dass die erlernte Theorie nun in die Praxis umgesetzt werden kann.
Der Abschlussgottesdienst in der Pallotti Kirche rundete eine Zeit der Informationen, des Gedankenaustausches und des Kennenlernens ab.
Sehr ausgelassen und beschwingt war an diesem Abend die Stimmung in der Kellerstube.
Mit dem Zertifikat zur Teilnahme am 55. Grundkurs der Überdiözesanen Mesnerschule im Gepäck verabschiedeten wir uns nach einem letzten ausgiebigen Frühstück im Pallotti Haus vom Mesner-Champion Martin Thullner.

Das Sakristanengebet

Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde!
Dient dem Herrn mit Freude!
Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!
Erkennt: Der Herr allein ist Gott,
Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum,
sein Volk und die Herde seiner Weide.
Tretet mit Dank durch seine Tore ein!
Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels!
Dankt ihm, preist seinen Namen!
Denn der Herr ist gütig, ewig währt seine Huld,
von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Bericht wurde geschrieben von der Teilnehmerin:
Erika Zimmert, Mesnerin in der Basilika Tuntenhausen

 
Vorsitzender: Klaus Probst, Kapellenweg 22, 89438 Holzheim-Eppisburg